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Porträt: Seine Aggressionen leitet Frank Schylla in Farbtupfen ab – mit Farbeffekten, die die Netzhaut quälen.

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Porträt: Seine Aggressionen leitet Frank Schylla in Farbtupfen ab - mit Farbeffekten, die die Netzhaut quälen.

Von Anja Trieschmann

Portrait: Frank Schylla

"Wenn ich im Krieg wäre, würde ich nicht mehr malen, dann würde ich Kinder füttern oder Verwundete verbinden." Frank Schylla ist nicht im Krieg. Und er malt. Da er in Deutschland, genauer in Darmstadt lebt, beschäftigt ihn der Irakkrieg und seine Folgen nur über die Medien; Bilder prasseln auf ihn ein, medial inszenierte Kriegsszenarien, vielfach gefiltert durch Zensur, Übertragung, Pixel. Wo hinter all den Schichten die Wahrheit liegt, weiß keiner. Auch Schylla nicht. Aber er sucht danach. Seine Malerei versteht er als einen Prozess, der Erkenntnis ermöglicht, der sich der Wahrheit zumindest annähert. Das mag verblüffen, wenn man seine Sprenkelbilder, eine wirre Ansammlung winziger Pünktchen und Kreise auf zwei mal ein Meter fünfzig großen Leinwänden, sieht. Das Gegenständliche ist getilgt, die Farbe hat sich verselbständigt.

"Friendly Fire" heißt ein siebenteiliger Bilderzyklus, der zur Zeit in Frankfurt ausgestellt ist. Der Begriff kommt aus der Kriegssprache und bezeichnet den versehentlichen Abschuss eigener Leute. Auf den ersten Blick harmlos, schwirren die in bis zu hundert Farbschichten übereinander gespritzten Pünktchen vor den Augen herum, werden zum oberen Bildrand hin dichter, sprühender. Erst der zweite Blick weckt den Aha-Effekt: Die grellen Leuchtfarben, die Schylla in unerträglichen Kombinationen übereinander punktet, sind malerisches Zeichen für die Cleanheit computergesteuerter, steriler Menschenvernichtung. "Wenn die Leute merken, um was es in den Bildern geht, fängt es an, auf der Netzhaut zu kratzen."

Der Auslöser für seine großflächige Strukturmalerei war ein Moment absoluten Friedens. Die Faszination, die der Sternenhimmel über der französischen Stadt Mirabel, dem Ort der legendären Pleinairtreffen Darmstädter, Polnischer und Ungarischer Künstler, in ihm wachrief, inspirierte ihn zu einer neuen Maltechnik. Vor und während seines Kunststudiums an der Hochschule in Offenbach, so erzählt er mit dem Abstand des ruhiger gewordenen Familienvaters, habe er seine Wut auf die Gesellschaft durch expressive Bilder hinausgeschriien. Habe grauenvolle Fratzen gemalt, vor denen die Leute weggerannt seien. Malerei war für ihn damals eine Art therapeutisches Ventil für seine Ohnmacht angesichts weltpolitischer Ungerechtigkeit, seine Suche nach Sinn, seine Aggression.

"Ich wollte durch die Kunst kommunizieren, ohne gleich mit jedem Krach zu kriegen", analysiert er die ersten Jahre seines künstlerischen Schaffensdrangs. Die Wut zu konservieren, bringt aber nichts, sagt Schylla. Er habe gelernt, die Power konstruktiv zu nutzen, sie zu kanalisieren und seine eigene Befindlichkeit aus den Bildern herauszunehmen. Die unvermittelte Aggression hat sich zur subtilen Kritik gewandelt, versteckt sich hinter intellektuellen Schranken, hinter gewagten, die Netzhaut strapazierenden Farbkombinationen. Etwa "wenn hellrosa auf einen quietschgrünen Fleck klatscht".

Die Bilder erzählen noch mehr: Sie meditieren über den Zusammenhang des Einzelnen mit dem Ganzen, von der Verortung und der gleichzeitigen Auflösung des Individuums in der Gesellschaft. Die All-Over-Strukturen durchbrechen die Erwartungshaltung des Betrachters und werfen ihn auf sich selbst zurück. "Der Blick kann sich nicht an Gegenständlichem festhalten, die Phantasie wird angeregt, eigene Bilder aus den Strukturen herauszulesen - so wie Kinder in Wolken Clowns oder Drachen sehen."

Das Prinzip der Verwirrung, das Schylla als ein wesentliches Merkmal von Kunst begreift, hat neues Sehen, hat Umdenken zum Ziel. Mit einem Zitat der Poppoeten "Die Sterne" bringt der sanfte Kämpfer das Anliegen seiner Malerei auf den Punkt: "Das hat mich jetzt verwirrt, und was verwirrt bewirkt, dass man sich neu orientiert."

(2003)

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